Der Konvent der evangelischen Krankenhausseelsorge in Westfalen
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Ethik und Ethikberatung im Krankenhaus
Traditionell traf sich in den drei Tagen vor Himmelfahrt der Konvent der Krankenhausseelsorge in der EKvW zu seiner Jahrestagung in der Evangelischen Akademie Iserlohn.

Begrenzte Ressourcen im Gesundheitswesen und die Frage ihrer Verteilung beeinflussen den Krankenhausalltag. Hier  treffen das Ethos aller am therapeutischen Prozess Beteiligten mit unterschiedlichen Interessen und Werthaltungen auf Wunsch- und Wertvorstellungen bei Patienten und ihren Angehörigen. Was vermag hier Ethik im Krankenhaus zu leisten? Ethikkomitee und klinisches Ethikkonsil rücken als vermittelnde und problemlösende Instrumente der Ethikberatung in den Focus der Aufmerksamkeit.
Auch Seelsorgerinnen und Seelsorger werden im Krankenhaus immer mehr in die Klärung ethischer und rechtlicher Fragen einbezogen. Oft sind sie Mitglieder im multiprofessionell besetzten Klinischen Ethikkonsil, das im ethischen Diskurs eine Behandlungsempfehlung formuliert, die sich insbesondere am tatsächlichen oder mutmaßlichen Patientenwillen bzw. am Patientenwohl orientiert.
Die Tagung ging diesen Fragen nach und beleuchtete den Beitrag der christlichen Ethik in der Ethikberatung und die Aufgabe der Klinikseelsorge in Ethikkomitee und Ethikkonsil.

Prof. Dr. Dr. Jochen Vollmann, Leiter des Instituts für medizinische Ethik und Geschichte der Medizin an der Ruhr-Universität Bochum, referierte über ethische und rechtliche Aspekte bei Entscheidungsfindungen am Lebensende. Er machte die Tagungsteilnehmenden vor allem auf die Problematik der Terminologie im Bereich der Sterbehilfe aufmerksam. Bisher unterteilte man sie begrifflich in die aktive und passive Sterbehilfe. Diese Terminologie wird dem, was machbar ist, nicht gerecht. Der nationale Ethikrat hat sich von daher für eine neue Begrifflichkeit entschieden, die fünf verschiedene Situationen in den Blick nimmt: 1. Sterbebegleitung, 2. Therapien am Lebensende, 3. Sterbenlassen, 4. Beihilfe zur Selbsttötung und 5. die Tötung auf Verlangen.

Dr. Ralph Charbonnier vom Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) an der Evangelischen Akademie Loccum , referierte über die Ethikberatung im Krankenhaus, ihre Modelle, die theologische Profilierung und die Rolle der Klinikseelsorge in diesen Prozessen. Die Aufgaben der Ethikberatung im Krankenhaus liegen in der Einzelfallberatung, in der Entwicklung interner Leitlinien für ethische Fallentscheidungen, in Fort-und Weiterbildung und in der Öffentlichkeitsarbeit. Jede Klinik muss sich über den Umgang mit sehr unterschiedlichen ethischen Fragestellungen, wie den Umgang mit Patientenverfügungen, mit Reanimation, mit Diagnosemitteilung oder mit dem Umgang mit Sterbenden oder Verstorbenen im Klaren werden. Sowohl Vollmann als auch Charbonnier sind der Überzeugung, dass Seelsorgende in Krankenhäusern von ihrer Ausbildung in ethischen Fragestellungen und aufgrund ihrer Kommunikationsfähigkeit eine große Kompetenz für die Entwicklung und Moderation von Ethikberatungen mitbringen.

In einem Podiumsgespräch mit der Krankenhausseelsorgerin Katharina Henke aus Herne, dem Palliativmediziner Dr. Thorsten Skodra aus Lüdenscheid, diskutierten Dr. Ralph Charbonnier und der Vorsitzende des Konvents, Matthias Mißfeldt,  über die Frage, was Medizin und Seelsorge in der Alltagsethik des Krankenhauses voneinander erwarten.

In Arbeitsgruppen war Raum für Fragen, welche die Ethik im Klinikalltag von Seelsorgerinnen und Seelsorgern betreffen, und für eigene Erfahrungen aus der Mitarbeit in den unterschiedlichen Formen der Ethikberatung.

Von der Clownfrau Sofia Altklug bekam der Konvent im Rahmen eines Kulturprogramms das Rezept für eine Mutsuppe geschenkt, die aus den Zutaten Klugheit, Klarheit, Geduld und Wut besteht und mit Scharf-, Fein-, Froh- und einer große Portion Unsinn gewürzt ist.


Hier einige Impressionen:

 

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