Der Konvent der evangelischen Krankenhausseelsorge in Westfalen
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Mai 2017

Vom 22. bis 24 Mai 2017 fand in Schwerte, Haus Villigst die Jahrestagung des Konvents zum Thema
„Resilienz - in Krisen wachsen“ statt.

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Im Krankenhaus ist eine erstaunliche Differenz zu erleben: manche Patienten reagieren gelassen und mit seelischer Stärke auf schwere Diagnosen und langwierige Behandlungsverläufe, während andere in ähnlicher Situation dekompensieren und sich als hilflose Opfer einer Erkrankung erleben.
Die Resilienzforschung untersucht die Hintergründe dieser unterschiedlichen psychischen Widerstandskraft: Wie gelingt es Menschen, vertrauensvoll eine veränderte Situation durchzustehen, sich angesichts existentieller Verunsicherung neu zu bergen und innerlich zu sichern? Wie entstehen Stressreaktionsfähigkeit und das Vermögen der Selbstregulation? Wie kann sich Ambiguitätstoleranz entwickeln, was fördert das Selbstvertrauen und das Weltvertrauen? Resilienz hängt zusammen mit der Fähigkeit, tragfähige Bindungen zu erleben und einzugehen. Bindungsverhalten und Bindungserwerb in der frühen Kindheit, das Tragen von Verantwortung und das Erleben von Selbstwirksamkeit tragen zur Resilienz bei. Wir wollen danach fragen, wie im Kontext Krankenhaus Resilienz in Krisensituationen entwickelt und gefördert werden kann. Wie trägt Gottvertrauen dazu bei, Bindungen zu ermöglichen und einen "sicheren Ort" im Glauben zu finden?

Dienstag, 23.05.2017:
Am Morgen lud Wilfried Ranft in der Zeit von 07.30 Uhr – 8.15 Uhr zur Meditation ein.
Nach dem Morgensingen führte Frau Prof. Dr. Brigitte Dorst, Analytikerin und Psychotherapeutin (Münster), in den aktuellen Stand der Resilienzforschung ein und bezog sie auf das Arbeitsfeld Krankenhaus. Der Fokus lag auf einer Resilienz fördernden Arbeit mit PatientInnen und Mitarbeitenden. Im laufe des Tages leitete Frau Prof. Dr. Dorst auch praktische Übungen zur thematischen Vertiefung an.
Mit einem Impuls zum Potential von Imagination, Phantasie und Intuition für die Stärkung der Psyche ging es anschließend dann um die praktische Arbeit mit Bildern und Symbolen. Rüdiger Maschwitz fragte dabei nach den Ressourcen aus geistlicher Sicht. „Wie kann ich brennen ohne zu verbrennen?“ (2. Mose 3) Rüdiger Maschwitz ist Pfarrer i.R., Diplom-Pädagoge, Kontemplationslehrer Via Cordis und Autor.
Am Abend lud Barbara Schulze, Tanzpädagogin (Hattingen), zu Tänzen und Tanzformen aus verschiedenen Kulturen zum Mitmachen ein. Eine Andacht in der Kapelle beschloss den Tag.

Mittwoch, den 24.05.2017:
Am Morgen lud Wilfried Ranft in der Zeit von 07.30 Uhr – 8.15 Uhr wieder zur Meditation ein.
Nach einem Morgensingen mit Heino Debus unterstützten Workshops die TeilnehmerInnen in ihrem Resilienz fördernden Arbeiten mit Patientinnen, Angehörigen und Mitarbeitenden. Sie gaben u.a. praktischen Übungen zu Imagination und eigener spiritueller Praxis Raum. Dabei sollte es auch um darum gehen, welche Verfahren unter Berücksichtigung der konkreten Erkrankungssituation kontraindiziert sind. Wie kann ein Resilienz förderndes Angebot implementiert werden?
a) „Resilienz in der naturheilkundlichen Ordnungstherapie“ - Christa Golücke, Diplom-Psychologin in der Klinik für Naturheilkunde in Hattingen-Blankenstein, zeigte Wege auf, wie die naturheilkundliche Ordnungstherapie Menschen darin unterstützen kann, ihre psychische Widerstandsfähigkeit zu verbessern. Wie können wir Resilienz im Alltag kultivieren?
b) Heino Debus, Krankenpfleger und zertifizierter Singleiter (Singende Krankenhäuser e.V.), vermittelte Erfahrungen mit dem Projekt „Heilsames Singen“; er bietet es für Patientinnen in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke an. “Beim Singen ohne Leistungsdruck“, so beschreibt es Heino Debus, “erzeugen wir eine heilsame Schwingung in uns, im Raum, in der Gemeinschaft. Singen öffnet, entspannt und berührt. Wir können in Kontakt kommen mit unserem Inneren und mit dem, was größer ist als wir - was uns trägt."
c) Rüdiger Maschwitz lud zur aktiven Imagination ein. Dabei wird ein Grundmotiv imaginiert, das sich zu einem eigenen inneren Bild entwickeln kann. So können sich Ressourcen entfalten, die in den eigenen Bildern liegen.
Jeder Workshop dauerte sechzig Minuten, sodass jede/r Teilnehmende zwei Workshops besuchen konnte.

Die Jahrestagung eröffneten wir am Montag, den 22. Mai um 19.00 Uhr mit einem Buffet am Abend der Begegnung. Wir beendeten sie mit Reisesegen und anschließendem Mittagessen am Mittwoch, den 24. Mai um 13.00 Uhr.

Literatur zur Tagung
 Berndt, Christiane, Resilienz. Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft, München 4.Auflage, 2015.
 Dorst, Brigitte, Resilienz. Seelische Widerstandkräfte stärken. Ostfildern 2015
 Dies., Lebenskrisen. Die Seels stärken durch Bilder, Geschichten und Symbole, Zürich 2010
 Dorst, Brigitte; Vogel, Ralf T., (Hg.) Aktive Imagination. Schöpferisch leben aus inneren Bildern, Stuttgart 2014
 Mißfeldt, Matthias, „Glaube und Stress. Überlegungen zur salutogenetischen Bedeutung von frommen Gefühlen“ in: Ethik im Kontinuum. Beiträge zur relationalen Erkenntnistheorie und Ontologie (= MThSt Bd. 97) (hrsg. von W. Härle) Leipzig 2008, 201 – 214
 Reddemann, Luise, Imagination als heilsame Kraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit ressourcenorientierten Verfahren, Stuttgart 12. Auflage 2006
 Reddemann, Luise, Überlebenskunst, Stuttgart 2006
 Schneidereith-Mauth, Heike, Ressourcenorientierte Seelsorge. Salutogenese als Modell für seelsorgliches Handeln, Gütersloh 2015
 Maschwitz, Rüdiger: Von Phantasiereise bis Körperarbeit. Existentielle Methoden – gekonnt eingesetzt. Ein Handbuch für die Praxis.

Januar 2017

 

Am 25. Januar 2017 fand in der Ev. Tagungsstätte Haus Villigst die Fachtagung des Konvents zum Thema Elementar vom Glauben sprechen statt.

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Seelsorge besitzt immer auch einen zusprechenden Verkündigungsaspekt. Wie reden wir in der Seelsorge in kritischen Situationen, an Lebensübergängen, in existentieller Not von Patienten und Patientinnen von unserem Glauben?
Wie bringen wir uns in einer solchen Situation mit unseren Glaubensinhalten ein? Gerade unter dem situativen Druck ist es vielleicht gar nicht so einfach, die richtigen und angemessenen Worte zu finden, die theologisch verantwortet sind, aber nicht in einen dozierenden Vorlesungsmodus verfallen. In diesen Situationen sprachfähig zu werden und das auch ein Stück weit einzuüben, dazu wird uns unser Referent, Pastor Dirk Schliephake, mit seinen umfangreichen Erfahrungen aus der Kindergottesdienstarbeit unterstützen. Dabei geht es um die Fähigkeit, theologische Inhalte in narrative Sätze umzuwandeln. Theologie kann so emotional berührend und gesprächsöffnend werden. Auch geht es darum, Bibelteile und -fragmente mundwerklich in leichter Sprache (http:// www.leichtesprache.org/) zu formulieren, die nicht nichtssagend daher kommt und zugleich die Seele unseres Gegenübers in Resonanz versetzt. Auch mit der Möglichkeit des Singens am Krankenbett wird uns Dirk Schliephake aus seinem Erfahrungshorizont bekannt machen.
Pastor Dirk Schliephake wird als Referent für den gesamten Tag mit uns arbeiten und unsere Erfahrungen und spezifischen Fragen aufnehmen. 
Zur Person: Pastor Dirk Schliephake vom Ev. Zentrum Gottesdienst und Kirchenmusik, Hildesheim leitet den Arbeitsbereich Kindergottesdienst http://www.michaeliskloster.de/kigo .
Diese Tagungseinladung richtet sich - wie immer im Januar - auch an andere Berufsgruppen im Krankenhaus. Herzlich Willkommen!!

Tagungsablauf

Bis 9.30 Uhr 

Anreise

9.30 – 9.55         

Stehkaffee

9.55 – 10.00       

Begrüßung  Matthias Mißfeldt

10.00 – 11.15

Impuls Pastor Dirk Schliephake Arbeitsbereich  Kindergottesdienst Ev. Zentrum Gottesdienst und Kirchenmusik, Hildesheim

11.30 -12.30

Gruppenarbeit:
Was sind meine spezifischen Erfahrungen?
Mundwerkliche Übungen am Fall
Was kann ich in meiner persönlichen Seelsorgepraxis umsetzen und übernehmen?

12.30 – 14.00

Mittagspause

14.00 – 15.15

Weiterarbeit in den Gruppen des Vormittags

 

Kaffee und Kuchen stehen im Foyer bereit

15.15 – 16.15

Zuspitzung und Vertiefung im Plenumsgespräch mit dem Referenten Pastor Dirk Schliephake

16.15 Uhr

Verabschiedung Dr. Friederike Rüter
Reisesegen




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