Der Konvent der evangelischen Krankenhausseelsorge in Westfalen
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Muslimische Patientinnen und Patienten

Leitfaden für die Begegnung mit muslimischen Patienten

Erarbeitet von Pfarrerin Katharina Henke in Zusammenarbeit mit Pflegekräften des Ev. Krankenhauses Herne und muslimischen Theologen für das EvK Herne download pdf

Einleitung

In Deutschland leben 3,5 Millionen Muslime, davon stammt ein großer Teil aus der Türkei, die anderen aus arabischen Ländern, dem Balkan.Die jüngeren Generationen sind oft schon hier aufgewachsen. Trotzdem haben ihre Gewohnheiten und religiösen Verpflichtungen Einfluss auf die Anforderungen an die Pflege und die Begleitung von Sterbenden. Nicht bei allen Muslimen spielt die Religion im Alltag eine große Rolle. Jedoch bei Hochzeit, Geburt, schwerer Krankheit oder im Todesfall bieten religiöse Vorschriften den Gläubigen mitunter eine Orientierung um mit ausser-alltäglichen Situationen fertig zu werden. Die eigentliche Heilung erwartet der Muslim/ die Muslima von Gott

Mögliche Probleme

Sprachprobleme, Isolation, Geschlecht der Betreuungspersonen sowie Nahrungsvorschriften und Möglichkeiten der Religionsausübung sind Faktoren, die bei einen Krankenhausaufenthalt möglicherweise zu Problemen führen können.

Scham

Muslime, achten die Worte des Propheten (Hadith) und geben ihren Körper so wenig wie möglich der Aussenwelt preis. Diese Schamauffassung enthält ein wichtiges Moment, um Bescheidenheit und Respekt, insbesondere gegenüber dem anderen Geschlecht, zu zeigen. Oft wird sogar der direkte Blickkontakt mit Andersgeschlechtlichen vermieden.

Patienten sollten nur möglichst kurz unbedeckt gelassen werden. Die Intimpflege sollte nach Möglichkeit von den Patienten selber, sonst aber von einer gleichgeschlechtlichen Person vorgenommen werden. Gleiches gilt für Untersuchungen (oder jemand zweites wird dazu gebeten). Zum Waschen (oder Benetzen) des Körpers sollte immer frisches, möglichst fliessendes Wasser benutzt werden.

Die Regel, dass man von einer fremden Person des anderen Geschlechts nicht nackt gesehen werden darf, besteht bis in den Tod fort.

Essen

Es ist bekannt, dass Muslime kein Schweinefleisch essen. Die genauen Vorschriften besagen, dass die Tiere völlig ausgeblutet sein müssen. Blut darf weder gegessen noch getrunken werden (Blutwürste). Muslime könnten daher befürchten, dass das Essen diesen Vorschriften nicht entspricht. Ältere Patienten lassen das Essen auch stehen, weil es anders zubereitet wurde, als sie es von zu Hause gewöhnt sind. Sie ernähren sich lieber von Gerichten, die zu Hause gekocht und ihnen täglich gebracht werden.

Das Fasten im Fastenmonat Ramadan gehört zwar zu den fünf "Säulen" des Islam, aber Kranke, alte Menschen, Kinder bis zu zwölf Jahren, Schwangere und Reisende sind vom Fasten ausgenommen. Kranke können das Fasten nachholen. Chronisch Kranke, zum Beispiel Diabetiker, können statt Fasten eine gute Tat vollbringen.

Die Gesundheit geht vor: Gebote und Verbote relativieren sich je nach Lage und besonderen Lebens-umständen! „Allah will es euch leicht machen, nicht schwer“

Die Rolle des Besuchs

Muslime sind es gewohnt, Probleme innerhalb ihrer engen sozialen Beziehungen zu lösen. Patienten aus orientalischen Ländern empfangen in der Regel viel Besuch. Die Pflicht, sich um Kranke zu kümmern, ist religiös bedingt und gehört zum guten Umgang. Man lässt Kranke nicht im Stich, im Gegenteil, die Krank-heit ist der Grund für Besuche. So kommen Verwandte, Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde etc. auch mit Kindern so oft sie können auf einen Sprung vorbei und bringen oft Essen mit. (dem Kranken gut zu reden, gutes Essen bringen, zu trinken geben und helfen, dass Glaubensbekenntnis zu sprechen).

Das Gebet

Nach den Vorschriften wird es fünf Mal täglich zu bestimmten Tageszeiten durchgeführt, nachdem man sich durch eine Waschung mit fliessendem Wasser gereinigt hat. Im EvK Herne gibt es einen Gebetsraum für Muslime!

Das islamische Gebet ist körperlich anstrengend, deshalb dürfen Bettlägerige es ausnahmsweise sitzend oder im Liegen ausführen. Die Patienten möchten dazu vorher Hände, Gesicht und Füße waschen, um sich innerlich und äusserlich rein zu fühlen.Die rituelle Waschung gehört zum Gebet . Dabei werden Kranke manchmal Hilfe brauchen. Zögern Sie nicht, diese zu geben.

Das Beten kann bei großer Schwäche verschoben werden.

Bei vielen Krankheiten können auch Aberglaube (Angst vor dem Bösen, vor Eifersucht von Menschen und Geistern) eine Rolle spielen.

Das ganze Leben, Sterben und Tod des Menschen, ist auf Gott hin ausgerichtet.

Seelsorge/ Beistand Muslime sind es gewohnt, Probleme innerhalb ihrer engen sozialen Beziehungen zu lösen. Religiöse Beauftragte/ Imame kommen nur auf ausdrücklichen Wunsch und werden im Allgemeinen von den Angehörigen benachrichtigt.

An der Pforte ist eine Liste der Herner Moscheevereine hinterlegt.

Sterben und Tod

In der Sterbestunde soll niemand allein gelassen werden! (über Gutes reden, an alles Gute im Leben erinnern). Zur Vorbereitung auf den Tod gehört das Gebet. Die Betenden legen sich Rechenschaft über das bisherige Leben ab, erinnern sich ihrer früheren Fehler und möchten nun, im Angesicht des Todes, ‘rein’ werden. Ebenso ist das Gebet für die Angehörigen ein wichtiges Mittel, den Übergang zu gestalten. Die muslimischen Anwesenden rezitieren für die Sterbenden Texte aus dem Koran sprechen das Glaubensbekenntnis vor oder helfen ihm es selbst zu sprechen.

Lagerung: Man sollte die Sterbenden, wenn es möglich ist, auf die rechte Seite, das Gesicht gegen Mekka (liegt im Südosten!) gerichtet, legen, oder auf den Rücken, den Kopf leicht angehoben, damit das Gesicht gegen Mekka gerichtet werden kann. Diese Ausrichtung nach Mekka verbindet Lebende, Sterbende und Tote.

Vom Umgang mit den Toten Nach dem Tod werden die Augen geschlossen, der Unterkiefer hoch gebunden, sowie der Leichnam mit leicht gebogenen Gliedmassen möglichst auf der rechten Seite liegend mit dem Gesicht nach Mekka gelagert. Der Kopf wird mit einem Tuch bedeckt.

Autopsie ist im Prinzip möglich sofern die Angehörigen einverstanden sind. Allerdings sollen nach islamischen Vorschriften Verstorbene möglichst bald - innerhalb von 24 Stunden, ohne Umwege beerdigt werden.

Trauer

Jeder Mensch trauert anders. Manche Verhaltensweisen lassen sich nicht auf den Islam zurückführen – sie sind kulturell bedingt – wie das Verlieren der Selbstbeherrschung und das laute Weinen. Beides wirkt auf Pflegepersonal zuweilen befremdend und verunsichernd. Man sollte bedenken, dass ein solcher Ausbruch von Trauer befristet ist und ein Ende finden wird. Freundlicher Zuspruch oder Handauflegen wird als Trost empfunden - auch sollte man für die Trauernden kurzfristig Raum schaffen und sie in Ruhe mit der/dem Toten allein zu lassen.

Vorbereitung der Beerdigung / Waschung des Verstorbenen

Rituelle Waschungen sind möglich im Nebenraum der Prosektur. Sie werden durchgeführt von einer glaubenskundigen Person unter Mithilfe von maximal zwei Helfern. Diese drei Personen werden von der Pflege zur Prosektur begleitet, wo benötigte Utensilien bereitliegen. Bei der Waschung wird der ganze Leichnam gewaschen.Benötigt werden: fließendes, warmes Wasser/ Watte/ Einmaltücher/ 2 Waschlappen/ 2 größere Handtücher.

Anschließend werden die Verstorbenen in Leichentücher gewickelt und direkt vom Bestatter abgeholt. (die meisten Muslime werden nach wie vor in die Türkei überführt. Es gibt keine Feuerbestattung)

Katharina Henke

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